Feuerspucken - Gefahren, Risiken und Alternativen

Gefahren und Unfallrisiken beim Feuerspucken (Aspiration, Verbrennung, Krebsrisiko)

Feuerspucken ist einer der spektakulärsten Effekte, aber leider auch einer der gefährlichsten. Ich (Sam) persönlich habe über 15 Jahre lang unfallfrei regelmäßig professionell Feuer gespuckt in vielen Varianten. Nebenher habe ich intensiv Unfallberichte gesammelt und nach deren Ursachen geforscht: Meistens waren es vermeidbare Fehler wie Aufregung, Überforderung, fehlende Absperrung etc. Aber nachdem sich die Unfälle von erfahrenen Kollegen häuften, die offensichtlich nichts falsch gemacht hatten und sich auch im Nachhinein nicht erklären konnten, warum Sie sich verschluckt hatten, beschloss ich, dass das Leben zu schön ist, um es so aufs Spiel zu setzen und suchte nach Alternativen. Jetzt machen wir seit mind. 8 Jahren Shows ohne Feuerspucken und sie kommen mindestens genauso gut an - eher sogar besser, weil wir andere Effekte als Alternative entwickelt haben, die für die Kunden ganz neu waren und sind. Die prinzipielle Gefahr sind nicht die möglichen Verbrennungen (Pyrofluid hat einen Flammpunkt von 78 Grad, also extra hoch und sicher, um Verbrennungen auszuschließen. Wer mit anderen Fluids mit niedrigeren Flammpunkten spuckt heutzutage, ist wirklich selber schuld...). Die Gefahr besteht im unabsichtlichen Verschlucken des Fluids. Auch kleinere Mengen können großen Schaden verursachen. Wenn das Fluid geschluckt wird (oder hinabläuft) gibt es rein anatomisch 2 Möglichkeiten: Entweder es gelangt durch die Speiseröhre in den Magen und führt zu unangenehmen Aufstoßen und längeren Aufenthalten auf dem WC (das ist die gute Variante), oder es gelangt in die Luftröhre und von dort zur Lunge. Jetzt kommt es ganz darauf an, wohin das Fluid genau wandert. Letztlich besteht die Lunge aus vielen kleinen Bläschen, die für den Sauerstoffaustausch über den Blutkreislauf sorgen. Genau das kann durch die plötzlich darüber liegende Fluidschicht verhindert werden: Trotz Atmung gelangt dann entsprechend weniger Sauerstoff zu den Organen. Vereinfacht passiert dasselbe wie bei einer minimale Ölschicht im Wasserglas: die Oberfläche wird versiegelt. Das Verschlucken wird teilweise bemerkt, teilweise nicht.

Symptome und Maßnahmen bei Unfällen durch Feuerspucken 

Die Symptome können sofort auftreten oder erst bis zu 24 Stunden nach dem Verschlucken (bzw. Aspirieren). Die Heftigkeit der Symptome nimmt oft innerhalb der ersten 24 Stunden zu. Diese sind: Husten, Fieber (gelegentlich) und man merkt, das etwas nicht stimmt. Ist der Fall eingetreten, ist es sinnvoll, sofort in eine Lungenfachklinik zu gehen. Meistens ist diese etwas weiter weg, aber es ist dennoch sinnvoll, weil dort Spezialisten sind, die bei diesen lebensbedrohlichen Symptomen wissen, wie sie dein Leben rettet. Im normalen Krankenhaus kennen sie sich evtl. nicht gut genug mit diesem speziellen Fall aus. Die langfristige Heilung danach kann medizinisch nur unterstützt werden, es kommt immer auf den Einzelfall an (was der Körper schafft, selbst zu regenerieren). Leider gibt es etliche Fälle, in denen Feuerkünstler jetzt nur noch mit z. B. 70 % ihres Lungenvolumens auskommen müssen. Ein weiteres langfristiges Risiko beim Feuerspucken ist die Entstehung von Krebs durch die Flüssigkeiten (Aufnahme über die Mundschleimhäute). Dieses Risiko kann man deutlich reduzieren durch hochgereinigtes Fluid mit niedrigem Restaromatengehalt wie Pyrofluid. Das Problem ist auch, dass es keine geschützten Begriffe gibt. Ich (Sam) rede hier von unserem Pyrofluid, mit dem ich sehr lange gespuckt habe. Es kann aber jeder andere Händler irgend eine andere Flüssigkeit nehmen und diese "Pyrofluid" nennen. Dabei können es 2 komplett andere chemische Substanzen sein (!).

Warum verkaufen wir trotz der offensichtlichen Gefahren weiter Pyrofluid?

Weil es die freie Entscheidung jedes Künstlers ist, ob er / sie das Risiko beim Feuerspucken eingehen will. Wir wollen dafür sorgen, dass jeder weiß, worauf er sich einlässt. Wenn sich jemand dafür entscheidet, sollte wenigstens die Verbrennungsgefahr sowie das Krebsrisiko reduziert werden im Vergleich zu handelsüblichem Lampenöl.

Feuerspucken ungefährlichere Alternativen (Lycopodium):

Es gibt gar nicht wenige Feuerkünstler, die mit Lycopodium Feuer spucken (genau gesagt, das Lyco im Mund verwirbelt ausblasen). Wir haben Drachenzungen - ein Aluröhrchen, so dass man das Lyco nicht im Mund haben muss. Oder man schaut sich einfach nach anderen spektakulären Effekten mit Lycopodium oder Funkeneffekten um.

Weitere Informationen zum Feuerspucken:

Weiterführend will ich auf die hervorragend durchgeführte und recherchierte Umfrage vom Feuerpädagogik e.V. verweisen, da gibt es sehr interessante Auswertungen zum Thema Feuerspucken.